Roger Loewigs Erinnerungen an den Kriegsausbruch – zum Weltfriedenstag

Als ich neun Jahre alt wurde, erhob sich zum ersten Auftritt, nach mancher infernalischen Szene im Proszenium, der Vorhang für das schaurigste Drama unserer Tage: Deutschlands Einfall in Polen, der Ausbruch des zweiten Weltkrieges. 27 Jahre später ist es diese Galerie Warschaus, der Hauptstadt des über viele Zeiten gequälten tapferen polnischen Volkes – gequält nicht zuletzt von den Deutschen –, die mir, einem deutschen Künstler, die erste Ausstellung ermöglicht. In den knappen drei Jahrzehnten zwischen den genannten Ereignissen vollzog und vollzieht sich der Reifungsprozess eines Menschen, der sein Heimatland bitter hassen lernte, um es später doch wieder zu lieben, unlöslich mit ihm verkettet durch Sprache, Freundschaften und Schicksal

Die ersten Kriegstage fanden mich in der niederschlesischen Provinzstadt Oels an eine Straßensperrung gelehnt, den an- und abrollenden Kriegsmaschinen nachgaffend, mitvibrierend mit dem Gerassel und Gedröhn, ringsum nationale Größenwahnhysterie, eine Woche darauf erschienen die Spalten der Gefallenenanzeigen. Die nächsten Jahre verbrachte ich in einer Kleinstadt des besetzten Polens.

Roger Leowig: Bemerkungen zu meinem Leben – Lebenshintergrund meiner Bilder (1966)

Bild: Gesichter des Krieges (1962)

Loewig-Werke nun im „Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst“

Katalog zur Ausstellung "Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)"

Seit dem 1. Juli bilden das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus und die beiden Häuser der „Jungen Kunst“ in Frankfurt (Oder) das „Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst“. Zusammen umfasst ihr Bestand nunmehr etwa 35 000 Werke.
Bereits im Januar hatten wir auf unserer Facebook-Seite auf die Ausstellung Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n) hingewiesen.
Im Rahmen der Ausstellung wurde in Cottbus eine apokalyptische Landschaftsmalerei aus Roger Loewigs Frühwerk gezeigt, die 2007 durch Schenkung an das Museum Junge Kunst gelangte und im Katalog abgebildet ist (o.T., 1965).

–>Beitrag von RBB Kulturradio zur Ausstellung zum Nachhören

Text & Foto: A. Genest

Jürgen Parusel zeigt Radiertechnik im Roger-Loewig-Haus

Im Rahmen der diesjährigen Jahresversammlung der Roger-Loewig-Gesellschaft am letzten Wochenende war der Wahl-Belziger Künstler Jürgen Parusel zu Gast im Schweizerhaus.
Inspiriert von japanischen Farbholzschnitten verschickt er seit 1986 Radierungen als Neujahrsgrüße an Künstlerfreunde, in denen aktuell-politische Ereignisse und Debatten augenzwinkernd aufgegriffen werden. Oft spielen Tiere eine tragende Rolle:
Für 2017 brachte Parusel den „Archaeopteryx Brandenburgensis“ als Vogel Strauß auf die Kupferplatte.
Selbige diente als Vorlage für die Vorführung der Radierpresse der niederländischen Firma Forrer, die im Erdgeschoss des Loewig-Hauses aufgestellt ist.
Zur Vertiefung des Themas empfiehlt Jürgen Parusel eine Publikation der Druckwerkstatt im Künstlerhaus Bethanien:
Die künstlerischen Durcktechniken; 1: Tiefdruck – Berlin : Kulturwerk d. BBK Berlins, Druckwerkstatt, [mehrere Auflagen 1979-1984]

Jürgen Parusel an der Radierpresse im Roger-Loewig-Haus
Text u. Foto: Annekathrin Genest

Bei Interesse an weiteren Fotos (aus Datenschutz- und urheberrechtlichen Gründen wurde bewusst auf solche mit Personen und Kunstwerken vezichtet) bitte ich um Kontakt per E-Mail.

Ausstellung: Bühnenentwürfe von Gero Troike in Gießen

Gero Troike Ausstellung Gerade wurde Gero Troike, an dessen Ausführungen zu ,Loewig als Lehrer‘ wir uns noch lebhaft erinnern, mit dem Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis 2017 ausgezeichnet.

Gleichzeitig wird in der Universitätsbibliothek Gießen eine vorzügliche Kabinett-Ausstellung mit Gero Troikes Bühnenentwürfen zu Faust II aus den 1980er Jahren für das Deutsche Theater Berlin und aktuell für Frank Castorfs Volksbühne Berlin. gezeigt.

Ausstellung: „Anmutige Gegend“
bis 20. Mai, Öffnungszeiten Mo-So 7:30 – 23:00 Uhr
Universitätsbibliothek Gießen
Otto-Behaghel-Straße 8, 35394 Gießen
–> weitere Informationen

Die Ausstellung endet am 20. Mai 2017 um 17 Uhr in Anwesenheit des Künstlers mit einer Lesung ausgewählter Texte aus Faust II (Rezitator Rainer Domke, Gießen).

Helga Schmidt-Thomsen

 

Oxymora: Druckgraphik von Roger Loewig in Leipzig

Am kommenden Mittwoch startet die Leipziger Buchmesse mit dem diesjährigen Länderschwerpunkt Litauen. In diesem Rahmen konfrontiert die Ausstellung „Oxymora“ auf dem Gelände der früheren Baumwollspinnerei Leipzig-Lindenau aktuelle Textilkunst aus Litauen mit Werken der „Berliner Malerpoeten„, zu denen auch Roger Loewig zählte. Initiatorin und Mittelpunkt dieses Kreises sehr unterschiedlicher Künstler war die aus Litauen stammende Aldona Gustas. Allen gemeinsam war das künstlerische Schaffen in Bild UND Text.
Text, Textur, Textil – anknüpfend an eine reiche Tradition hat sich im Baltikum eine lebendige Texitlkunstszene entwickelt. Textile Techniken wecken Assoziationen wie „dekorativ“, „weich“ und „weiblich“. Die ausgestellten Werke der litauischen Künstlerinnen konterkarieren diese Erwartungshaltung auf moderne, verstörende, oft auch humorvolle Weise. Begriffe und Materialien werden verwoben und aufgedröselt, politische und biographische Verstrickungen herausgearbeitet. Es ergeben sich überraschende formale und inhaltliche Bezüge zum Werk der Kollegen aus dem (West-) Berlin der 70er und 80er Jahre.

Oxymora – kuratiert von John Colton (Browse Gallery Berlin) und Virginija Vitkiene (Biennale Kaunas)

 25. Februar bis 25.März 2017
LEIPZIGER BAUMWOLLSPINNEREI, WERKSCHAU Halle 12
Di – Do 13:00 – 17:00 Uhr
Fr + Sa 12:00 – 18:00 Uhr
So + Mo geschlossen

Rezension: –> Texte, Textilien, Träume: Leipziger Schau zeigt Berliner Malerpoeten und litauische Kunst (Leipziger Volkszeitung 2.3.2017)

Text und Fotos: Annekathrin Genest