Forum

unausweichliche Begegnung, 1986, Buntstift & Bleistift, 21 x 29,7 cm (Blatt 3 der 13teiligen Folge: Meine kleinen gelben Blätter)

zum Jahreswechsel

Zugedacht Hugo von Hofmannsthal

 

Mich locken die langen

die dunkelen bangen

allen

 

ich möchte ihr ende nicht kennen

nicht wissen wohin sie verrennen

woher sie entstehn

 

nach einem seitlichen graben

da will ich sie über mir haben

wie plötzliche nacht

 

sie sollen sich über mir schließen

mich zeitig mit blüten begießen

und spät dann mit schnee

 

ich kann sie nicht gänzlich durchlaufen

denn irgendwo muß ich verschnaufen

und abseits vergehn

 

mich locken die langen

die dunkelen bangen

allen

 

aus: Roger Loewig, Mein Kopf fliegt als Mond über dieses Land, Gedichte, Oberbaum Verlag GmbH 2002

 

Ausstellung des BLMK mit Lithographien von Roger Loewig

Katalog zur Ausstellung „Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert. Grafische Zyklen und Skulpturen aus der Sammlung des BLMK“ mit einem Beitrag zu Roger Loewig

Die Ausstellung ist die erste gemeinsame Präsentation beider Standorte des BLMK. Noch bis zum 13. Oktober werden in der Rathaushalle Frankfurt (Oder) und im Dieselkraftwerk Cottbus 180 Grafiken und 20 Skulpturen von 4 Künstlerinnen und 31 Künstlern gezeigt. In Frankfurt sind u.a. sechs Lithographien von Roger Loewig aus der Serie Epitaphe (1972) zu sehen, die das Schicksal des polnischen Arztes und Pädagogen Janusz Korczak und den Kindern des von ihm geleiteteten jüdischen Waisenhauses im Warschauer Ghetto thematisieren.

Weitere Informationen auf der –> Homepage des Museums

–> Rezension in der MOZ von 6. August 2009

Mitgliederversammlung der Roger-Loewig-Gesellschaft 2019

Gestern, am 29. Juni 2019, fand bei großer Hitze die jährliche Mitgliederversammlung der Roger-Loewig-Gesellschaft im Jakob-Wächtler-Haus (Gemeindehaus) in Bad Belzig statt. Im Anschluss wurde gemeinsam indisch zu Mittag gegessen, bevor man zur Begehung der Baustelle zum Roger-Loewig-Museum aufbrach, wo der Tag bei Kaffee, Kuchen und Gespräch ausklang. Hier einige Impressionen mit Informationen zum Projekt in den Bildunterschriften:

Tschernobyl, 26. April 1986

Katastrophe (Tschernobyl), 1987, Buntstift, 40 x 30 cm

Wir wissen nie, was durch die Nacht zieht:
Ein Föhn, ein Regen, ein Gewitter,
ein Schneesturm oder schon der Tod,

sehr späte Gäste, die noch hoffen,
daß sie hier länger wohnen dürfen.
Verflucht sei alle Wohnungsnot!

Wir wissen nie, was durch die Nacht zieht:
Die Angst, der schweren Träume Schatten
Und, was am schlimmsten ist, ein Krieg.

So laß dein Fenster immer offen
dem müden Nachzügler, dem Flüchtling,
und bleib. Doch wenn es sein muß, flieg!

Flieg mit dem Kranich, mit der Wildgans,
flieg mit den Zögernden, den Matten,
flieg mit dem Schneesturm, mit dem Tod.

aus Roger Loewig: Ein Kopf fliegt als Mond über dieses Land – Gedichte.
Berlin, Oberbaum Verlag, 2002

Roger Loewig: Leskowiak I, 1956, Gouache, 140 x 175 cm (linker Flügel des Triptychons Leskowiak)

Buchankündigung: Ostdeutsche Nachkriegsmoderne

Anna-Carola Krausse
Andere Horizonte
Ostdeutsche Nachkriegsmoderne im Schatten des Sozialistischen Realismus
ca. 320 Seiten mit 300 farbigen Abbildungen, 24 × 28 cm, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-422-07483-5
Preis: ca. 34,90 €

Vorgestellt werden Künstler wie u.a. Achim Freyer, Dieter Goltzsche, Roger Loewig, Hanfried Schulz oder Horst Zickelbein…

Die reich illustrierte Monographie widmet sich erstmals umfänglich künstlerischen Positionen in der DDR der fünfziger und sechziger Jahre, die im heutigen Kanon und öffentlichen Bewusstsein kaum mehr präsent sind. Im Zentrum stehen Künstler, die wiederholt dem Vorwurf des »Formalismus« ausgesetzt waren. Die Darstellung dieser frühen Kunstopposition (die nicht zwangsläufig mit einer politischen einherging) führt eindringlich vor Augen, wie ziel- und selbst-sicher die Maler und Graphiker an der Autonomie der Kunst festhielten, als die Machthaber der kulturstalinistischen Ulbricht-Ära nach einem staatskonformen Sozialistischen Realismus verlangten. […] Die Untersuchung repräsentativer Bilder sowie die Vorstellung beispielhafter Werkgenesen von annähernd 30 Künstlern ermöglichen einen differenzierten Blick auf das Schaffen in der DDR, bei dem weniger die Kunstpolitik als vielmehr das Kunstwerk selbst Gegenstand der Befragung und Bewertung ist.

(aus der ––> Ankündigung auf der Website des Deutschen Kunstverlages)