
Die Berliner Literaturpirat*innen wagen mit der Inszenierung
einen Sprung ins Absurde, der den Zuschauer*innen einen Weg
aus der „Verschlungenheit in den mechanistischen Prozess einer
bedrohlich zerstörerischen Welt“ (Hugo Ball, 1916) in das
„Spukreich des Unendlichkeitszaubers, des Hoffnungsglücks“
(Paul Scheerbart, 1906) moderner Visionäre aufzeigen möchte.
Frei nach Tristan Tzara („Anleitung zur Herstellung eines
Dada-Gedichts“, 1916) entwerfen die Berliner Literaturpirat*innen
aus den Texten bekannter Dadaisten (Huelsenbeck, Grosz, Arp,
Schwitters, Ball, Ernst, Hennings und Scheerbart, immer wieder
Scheerbart) Miniaturen, die in den einzelnen Räumen, Winkeln,
Verstecken, Gruften des Bunkers in Form des Stationentheaters
zu sehen und vor allem zu hören sind. Erinnert die Inszenierung
zum einen an die Schrecken und die Verzweiflung des geschundenen
Menschen im 20. Jahrhundert, so begegnet sie
diesen mit der fast kindlich-naiven Spielleidenschaft eines Paul
Scheerbart.
Huelsenbecks DADA-Schalmei, in der „grausiges Gevögel
schwirrt“, führte mich auf die Spur des Dichters und Malers
Roger Loewig (1930-1997), der „dem lauten das leise Gedicht,
dem Grellen die Zärtlichkeit der Zeichnung in beharrlichem
Widerstand gegen die Stumpfheit und Brutalität.“ entgegensetzt
(C. Troike-Loewig). Angeregt durch seine Vogelbrücken, die
Neubeginnenswut, sein „Dumpfheimateisangstgrausen“, sein
uneingeschränktes Bekenntnis zum Menschen, „den zu lieben
ich immer noch die Vermessenheit besitze“ (Loewig, 1978),
lassen wir die beiden Protagonisten Scheerbart und Loewig im
Finale im „Hoffnungsglück“ zusammenfinden.
Die Idee vom Unendlichkeitszauber eines Paul Scheerbart
trifft so auf den unbedingten Willen zur selbst gewählten Freiheit
eines Roger Loewig.
So wird sie neu erschaffen – die Welt. – W. Taudtmann
DIE BERLINER LITERATURPIRAT*INNEN zeigen:
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frei nach Scheerbart, Schwitters, Arp, Ball, Loewig u.a
ABSTIEG
DADA-Schalmei Richard Huelsenbeck
Musik: I. Bogdanski, J. Bartels
Gesang an die Welt George Grosz
Karawane Hugo Ball
Das Urgebet der Scholle Hugo Ball
Ein Tafelgedicht Paul Scheerbart
Hier geht es zu den Weltgesichtern Paul Scheerbart
EINSTIEG
Die Welt ist kess voller Epilepsie Dada kontrovers
Papperlapapp Paul Scheerbart
What a b what a b what a beauty Kurt Schwitters,
Musik: J. Bartels, I. Bogdanski
Sie puppt mit Puppen Kurt Schwitters
Ahnungsvolle Verheißung Dada international
Wegweisung Dada phänomenal
Der Narr und die Schwebende Paul Scheerbart
Sekundenzeiger Hans Arp
Zwölf Kurt Schwitters
DURCHBRUCH
Seenot Kurt Schwitters
Anna Blume Kurt Schwitters
Das ungleiche Paar Kurt Schwitters, Max Ernst
Ingrimm Paul Scheerbart
Der Zweifler und der Mond Paul Scheerbart
Der Höhlenmensch Textkollage, Saxophon: L. Glasenapp
Die Primitiven Richard Huelsenbeck
Tod und Tänzerin Hugo Ball / Emmy Hennings
Auf dem Exerzierplatz Kurt Schwitters
Gesang zur Dämmerung Emmy Hennings
Reich mir meine Platzpatronen Paul Scheerbart
Mal ist dir alles astral Paul Scheerbart.
Liebeslied Gesang: Inga Bogdanski.
Dahin! Paul Scheerbart
Dada Werkstatt Tristan Tzara
AUFBRUCH
Sei sanft und höhnisch Paul Scheerbart,
Musik: L. Glasenapp
Durch die Gewölbe meiner Gedanken Roger Loewig
Die Naive und der Narr Paul Scheerbart
O Ikarus Roger Loewig,
Musik: J. Bartels, I. Bogdanski
Menschenhöhe Wolkenbilder Textmontage
Tirilidumdei Roger Loewig
Bin ich so fremd geworden Roger Loewig
Ich wohne am Rande der Nacht Roger Loewig
Ich liebe alles, was weht, braust … Roger Loewig
Musik: Bartels, Bogdanski, Schmidt
Sehnen, sehnen Höhenrausch Berliner Literaturpirat*innen
Hoffnungsschimmer Berliner Literaturpirat*innen
Musik: J. Bartels
Die Welt wird neu erschaffen Textmontage
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mit:
Judika Bartels
Inga Bogdanski
Elisabeth Clarke-Hasters
Lutz Glasenapp
Jannis Ihrig
Melanie Nebe
Britta Schmidt
Wolfgang Taudtmann
Textentwicklung:
Wolfgang Taudtmann
Regie:
Elisabeth Clarke-Hasters
Wolfgang Taudtmann
Empfehlung: Besuch des Roger Loewig Hauses, Museum und Gedenkstätte
Flämingweg 6, 14806 Belzig
ab April 2019 wieder geöffnet
museum@roger-loewig.de