Ausstellung des BLMK mit Lithographien von Roger Loewig

Katalog zur Ausstellung „Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert. Grafische Zyklen und Skulpturen aus der Sammlung des BLMK“ mit einem Beitrag zu Roger Loewig

Die Ausstellung ist die erste gemeinsame Präsentation beider Standorte des BLMK. Noch bis zum 13. Oktober werden in der Rathaushalle Frankfurt (Oder) und im Dieselkraftwerk Cottbus 180 Grafiken und 20 Skulpturen von 4 Künstlerinnen und 31 Künstlern gezeigt. In Frankfurt sind u.a. sechs Lithographien von Roger Loewig aus der Serie Epitaphe (1972) zu sehen, die das Schicksal des polnischen Arztes und Pädagogen Janusz Korczak und den Kindern des von ihm geleiteteten jüdischen Waisenhauses im Warschauer Ghetto thematisieren.

Weitere Informationen auf der –> Homepage des Museums

–> Rezension in der MOZ von 6. August 2009

Roger Loewig: Leskowiak I, 1956, Gouache, 140 x 175 cm (linker Flügel des Triptychons Leskowiak)

Buchankündigung: Ostdeutsche Nachkriegsmoderne

Anna-Carola Krausse
Andere Horizonte
Ostdeutsche Nachkriegsmoderne im Schatten des Sozialistischen Realismus
ca. 320 Seiten mit 300 farbigen Abbildungen, 24 × 28 cm, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-422-07483-5
Preis: ca. 34,90 €

Vorgestellt werden Künstler wie u.a. Achim Freyer, Dieter Goltzsche, Roger Loewig, Hanfried Schulz oder Horst Zickelbein…

Die reich illustrierte Monographie widmet sich erstmals umfänglich künstlerischen Positionen in der DDR der fünfziger und sechziger Jahre, die im heutigen Kanon und öffentlichen Bewusstsein kaum mehr präsent sind. Im Zentrum stehen Künstler, die wiederholt dem Vorwurf des »Formalismus« ausgesetzt waren. Die Darstellung dieser frühen Kunstopposition (die nicht zwangsläufig mit einer politischen einherging) führt eindringlich vor Augen, wie ziel- und selbst-sicher die Maler und Graphiker an der Autonomie der Kunst festhielten, als die Machthaber der kulturstalinistischen Ulbricht-Ära nach einem staatskonformen Sozialistischen Realismus verlangten. […] Die Untersuchung repräsentativer Bilder sowie die Vorstellung beispielhafter Werkgenesen von annähernd 30 Künstlern ermöglichen einen differenzierten Blick auf das Schaffen in der DDR, bei dem weniger die Kunstpolitik als vielmehr das Kunstwerk selbst Gegenstand der Befragung und Bewertung ist.

(aus der ––> Ankündigung auf der Website des Deutschen Kunstverlages)

Buchankündigung: Risse. Dreißig deutsche Lebensläufe

Noch nicht auf der Leipziger Buchmesse 2019, aber in Vorbereitung beim Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte:

 

 

Roswitha Schieb
Risse.
Dreißig deutsche Lebensläufe
(u.a. Roger Loewig)
320 Seiten, 158 x 235 mm, Festeinband
ersch. November 2019
ISBN 978-3-86732-324-6
Preis 24,90 €

 

Roswitha Schieb beschreibt und befragt die Lebensläufe von dreißig Schriftstellern, Künstlern, Schauspielern, Wissenschaftlern oder Politikern aus den letzten zweihundert Jahren, in deren Biografie und Werk sich die Verwerfungen der deutschen Geschichte wie in einem Brennspiegel offenbaren. Dreh- und Angelpunkt all ihrer Studien ist die Zeit des Nationalsozialismus einschließlich seiner Vorgeschichte und seiner langen Nachwirkungen. Dabei beleuchtet sie besonders solche Persönlichkeiten, deren Wege abseits des Mainstreams verliefen und verlaufen. Bei den Porträtierten handelt es sich oft um Menschen, die nicht auf der Siegerseite standen und daher mit zwiespältigen Gefühlen und wacherem Blick wahrnehmen konnten, was mit ihnen und um sie herum geschah. Verstricktheit und Aufbegehren, Widersprüchlichkeit und Widerstand, Scheitern und Aufbruch werden in ihren vielfältigen Ausprägungen gezeigt. Dabei stehen stets die Auswirkungen der »großen Geschichte« auf die Einzelschicksale im Fokus.

(aus der –> Ankündigung auf der Website des Lukas-Verlages)

Liebe, labe, lobe mich! Aber nicht so fürchterlich!

 

 

Die Berliner Literaturpirat*innen wagen mit der Inszenierung
einen Sprung ins Absurde, der den Zuschauer*innen einen Weg
aus der „Verschlungenheit in den mechanistischen Prozess einer
bedrohlich zerstörerischen Welt“ (Hugo Ball, 1916) in das
„Spukreich des Unendlichkeitszaubers, des Hoffnungsglücks“
(Paul Scheerbart, 1906) moderner Visionäre aufzeigen möchte.
Frei nach Tristan Tzara („Anleitung zur Herstellung eines
Dada-Gedichts“, 1916) entwerfen die Berliner Literaturpirat*innen
aus den Texten bekannter Dadaisten (Huelsenbeck, Grosz, Arp,
Schwitters, Ball, Ernst, Hennings und Scheerbart, immer wieder
Scheerbart) Miniaturen, die in den einzelnen Räumen, Winkeln,
Verstecken, Gruften des Bunkers in Form des Stationentheaters
zu sehen und vor allem zu hören sind. Erinnert die Inszenierung
zum einen an die Schrecken und die Verzweiflung des geschundenen
Menschen im 20. Jahrhundert, so begegnet sie
diesen mit der fast kindlich-naiven Spielleidenschaft eines Paul
Scheerbart.
Huelsenbecks DADA-Schalmei, in der „grausiges Gevögel
schwirrt“, führte mich auf die Spur des Dichters und Malers
Roger Loewig (1930-1997), der „dem lauten das leise Gedicht,
dem Grellen die Zärtlichkeit der Zeichnung in beharrlichem
Widerstand gegen die Stumpfheit und Brutalität.“ entgegensetzt
(C. Troike-Loewig). Angeregt durch seine Vogelbrücken, die
Neubeginnenswut, sein „Dumpfheimateisangstgrausen“, sein
uneingeschränktes Bekenntnis zum Menschen, „den zu lieben
ich immer noch die Vermessenheit besitze“ (Loewig, 1978),
lassen wir die beiden Protagonisten Scheerbart und Loewig im
Finale im „Hoffnungsglück“ zusammenfinden.
Die Idee vom Unendlichkeitszauber eines Paul Scheerbart
trifft so auf den unbedingten Willen zur selbst gewählten Freiheit
eines Roger Loewig.
So wird sie neu erschaffen – die Welt. – W. Taudtmann
DIE BERLINER LITERATURPIRAT*INNEN zeigen:
__________
frei nach Scheerbart, Schwitters, Arp, Ball, Loewig u.a

ABSTIEG
DADA-Schalmei Richard Huelsenbeck
Musik: I. Bogdanski, J. Bartels
Gesang an die Welt George Grosz
Karawane Hugo Ball
Das Urgebet der Scholle Hugo Ball
Ein Tafelgedicht Paul Scheerbart
Hier geht es zu den Weltgesichtern Paul Scheerbart

EINSTIEG
Die Welt ist kess voller Epilepsie Dada kontrovers
Papperlapapp Paul Scheerbart
What a b what a b what a beauty Kurt Schwitters,
Musik: J. Bartels, I. Bogdanski
Sie puppt mit Puppen Kurt Schwitters
Ahnungsvolle Verheißung Dada international
Wegweisung Dada phänomenal
Der Narr und die Schwebende Paul Scheerbart
Sekundenzeiger Hans Arp
Zwölf Kurt Schwitters

DURCHBRUCH
Seenot Kurt Schwitters
Anna Blume Kurt Schwitters
Das ungleiche Paar Kurt Schwitters, Max Ernst
Ingrimm Paul Scheerbart
Der Zweifler und der Mond Paul Scheerbart
Der Höhlenmensch Textkollage, Saxophon: L. Glasenapp
Die Primitiven Richard Huelsenbeck
Tod und Tänzerin Hugo Ball / Emmy Hennings
Auf dem Exerzierplatz Kurt Schwitters
Gesang zur Dämmerung Emmy Hennings
Reich mir meine Platzpatronen Paul Scheerbart
Mal ist dir alles astral Paul Scheerbart.
Liebeslied Gesang: Inga Bogdanski.
Dahin! Paul Scheerbart
Dada Werkstatt Tristan Tzara

AUFBRUCH
Sei sanft und höhnisch Paul Scheerbart,
Musik: L. Glasenapp
Durch die Gewölbe meiner Gedanken Roger Loewig
Die Naive und der Narr Paul Scheerbart
O Ikarus Roger Loewig,
Musik: J. Bartels, I. Bogdanski
Menschenhöhe Wolkenbilder Textmontage
Tirilidumdei Roger Loewig
Bin ich so fremd geworden Roger Loewig
Ich wohne am Rande der Nacht Roger Loewig
Ich liebe alles, was weht, braust … Roger Loewig
Musik: Bartels, Bogdanski, Schmidt
Sehnen, sehnen Höhenrausch Berliner Literaturpirat*innen
Hoffnungsschimmer Berliner Literaturpirat*innen
Musik: J. Bartels
Die Welt wird neu erschaffen Textmontage
—
mit:
Judika Bartels
Inga Bogdanski
Elisabeth Clarke-Hasters
Lutz Glasenapp
Jannis Ihrig
Melanie Nebe
Britta Schmidt
Wolfgang Taudtmann
Textentwicklung:
Wolfgang Taudtmann
Regie:
Elisabeth Clarke-Hasters
Wolfgang Taudtmann
Empfehlung: Besuch des Roger Loewig Hauses, Museum und Gedenkstätte
Flämingweg 6, 14806 Belzig
ab April 2019 wieder geöffnet
museum@roger-loewig.de

Loewig-Texte im Kunstraum „Artist Homes“

Bei der gestrigen Premiere der Dada-Performance Liebe, labe, lobe Mich! Aber nicht so fürchterlich! der Berliner Literaturpirat*innen wurde das zahlreich erschienene Publikum mitgenommen auf einen Erkundungs-Parcours in alle Räume, Gänge und Winkel des früheren Luftschutzbunkers am Hohenzollerndamm. Dort hat der Musiker Jong-Ha Kim den Kunstraum „Artist-Homes“ geschaffen, mit Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen, Themenabenden und Workshops, Probenräumen für Musiker und einem Café.
Dieser besondere Ort bietet eine reizvolle Kulisse für die Miniaturen aus Sprache, Bewegung, Gesang und Licht und lädt dazu ein, bekannte Texte und Melodien neu zu entdecken. Und was hat Roger Loewig mit Dadaismus zu tun? Dazu ein Zitat aus dem Blog von Rainer Leppin:

Im letzten der vier Akte, dem Aufbruch, unternimmt die Gruppe unter der Leitung von Wolfgang Taudtmann den mutigen Versuch, Texte eines weitgehend unbekannten zeitgenössischen Künstlers einzubinden: Roger Loewig, ein künstlerischer Autodidakt, schrieb insbesondere während seiner Lebensphase in der DDR Gedichte und schuf Zeichnungen und Lithographien. In ihnen prangerte er die Gewalt der deutschen Zeitgeschichte, speziell die deutsche Teilung, an , was zu Repressalien seitens der staatlichen Organe führte.

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(Text u. Fotos: A. Genest)