VIERTEL BOX: Ausstellung „Schwebender über einer Grenze. Roger Loewig – ein Künstler im Märkischen Viertel“ feierlich eröffnet

Am 05. November 2015 fand in der VIERTEL BOX, dem Kommunikationsraum im Märkischen Viertel, die Vernissage zur Ausstellung statt.

Der 1930 im schlesischen Striegau (heute Strzegom, Polen) geborene Maler, Zeichner und Dichter Roger Loewig wohnte und arbeitete seit 1972 – seit seiner Übersiedlung aus der DDR – im Märkischen Viertel.

Nach dem Abschluss seiner Lehrerausbildung unterrichtete Roger Loewig bis 1963 in Ost-Berlin Deutsch, Russisch und Geschichte. Parallel dazu widmete er sich intensiv dem Malen, Zeichnen und Schreiben. Eine erste Ausstellung in privaten Räumen führte 1963 in der DDR zu seiner Verhaftung durch die Staatssicherheit. Nach der Haftentlassung 1964 durfte er seinem Beruf als Lehrer nicht mehr nachgehen, 1965 zwar im Verband der bildenden Künstler aufgenommen und nunmehr offiziell als freischaffender Künstler zugelassen, hatte er in der DDR keine Ausstel-lungsmöglichkeiten. Nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik mit seiner Lebensgefährtin Creszentia Troike wurde für Roger Loewig das Märkische Viertel neuer Wohn- und Arbeitsort, 25 Jahre lang entstand hier ein großer Teil seiner Arbeiten.

Über hundert Ausstellungen im In- und Ausland, darunter die erste Einzelausstellung eines deutschen Künstlers im Staatlichen Museum und Gedenkstätte Auschwitz, sowie zahlreiche Veröffentlichungen machten sein Gesamtwerk einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Im Oktober 1997 erhielt Roger Loewig das Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk. Nur wenig später, am 04. November 1997, verstarb der Künstler in seiner Atelierwohnung im Märkischen Viertel.

Krista Maria Schädlich, Vorstandsvorsitzende Roger Loewig Gesellschaft: „In Erinnerung an die-sen bedeutenden Künstler freut sich die Roger Loewig Gesellschaft besonders, dass sie in sei-nem langjährigen Wohnviertel eine Auswahl seiner Lithografien, die in der DDR und bis in die späten 1970er-Jahre in der Bundesrepublik entstanden, nicht nur ausstellen, sondern auch darauf hinweisen kann, von welch künstlerischer und aktueller Bedeutung die Arbeiten dieses Malers, Zeichners und Dichter damals wie heute sind.“

Helene Böhm, GESOBAU AG: „Mit Roger Loewig hielt die Welt der Kunst und der Poesie Einzug in die Großwohnsiedlung. 25 Jahre lebte er als Künstler und Nachbar hier im Viertel. Das soll die Ausstellung lebendig in Erinnerung bringen.“

Im Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit präsentieren die VIERTEL BOX und die GESOBAU AG in Zusammenarbeit mit der Roger Loewig Gesellschaft vom 06. November bis 06. Dezember 2015 eine Lithografienauswahl des Malers, Zeichners und Dichters Roger Loewig, die einen der bedeutendsten Künstler in Erinnerung bringt.

Im Rahmen der Ausstellung findet am Montag, den 23. November 2015 um 19:00 Uhr eine Le-sung mit der Schauspielerin Helene Grass statt, die eine Auswahl der Lyrik und Prosa Roger Loewigs vortragen wird. Musikalisch begleitet wird der Abend von dem Berliner Damentrio muzet Royal. Weitere Informationen unter http://www.mein-maerkisches-viertel.de.

Zeichnen wie Atmen

Amrei Bauer liest aus Tagebuchnotizen ihrer Mutter.

Es wird wie ein Sog gewesen sein, hinein bis in die letzte Faser – hinaus geworfen bis in die Hand,
in die Linie, einatmen-ausatmen, Yin & Yang.
Annemirl Bauer hat gezeichnet und gemalt. Sie war eineaußergewöhnliche Frau und eine große Künstlerin.
Wir wissen zu wenig über sie, sträflich wenig, zu unserem eigenen Schaden.
Annemirl Bauer ertrug keinen Zwang, ihre Sucht, Sehnsucht hieß Freiheit.
Sie forderte viel und riskierte viel, sie lebte in der DDR.
Zwang wurde ihr zeitlebens auferlegt, die Freiheit zeitlebens verwehrt.
1939 wurde sie geboren, sie starb, viel zu früh, im Sommer 1989.
Im Herbst fiel die DDR in sich zusammen.
Aschegraue Männer hatten das Land regiert, und eben jene hatten den Bau der Mauer befohlen.
Gewalt war Männergewalt. Annemirl Bauer hielt ihre Kunst dagegen.
Die Frauen gebären das Leben, sie umsorgen und beschützen es.
So gehörte die rebellierende Frau wie von selbst zu den Dissidenten in der DDR.
1984 forderte sie öffentlich das Reiserecht als Menschenrecht eines jeden Bürgers ein.
(Sie blieb im Visier der Staatssicherheit bis zum Schluss)

1957 verließ Annemirl Bauer Berlin und zog nach Niederwerbig im Fläming.
Dort befindet sich heute der bildnerische und schriftliche Nachlass,
über den ihre Tochter Amrei Bauer wacht. Wichtiger noch, sie verwendet all ihre Kräfte,
um das Werk ihrer Mutter zur Geltung zu bringen.

Mit zunehmenden Erfolg!

Samstag, den 03. Oktober 2015
Wir laden Sie ein ins Roger Loewig Haus,
Flämingweg 6 in Bad Belzig.
Es beginnt um 16:00 Uhr,
der Eintritt ist frei.

 

Bilder des Berliners Roger Loewig Helene Grass liest in der Parkbuchhandlung

Bad Godesberg · Der Ost-Berliner Maler, Zeichner, Grafiker und Dichter Roger Loewig wäre am 5. September 85 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass eröffnet die Parkbuchhandlung, Koblenzer Straße 57, am Freitag, 18. September, ab 19.30 Uhr, eingebettet in eine Lesung, eine Ausstellung mit Bildern des Malers.

oewig (1930-1997) hatte sich in Ost-Berlin neben seinem Beruf als Lehrer autodidaktisch zum Maler, Zeichner und Dichter ausgebildet, als er 1963 nach einer ersten, in einem Pfarrhaus privat veranstalteten Ausstellung gegen den Mauerbau verhaftet wurde. 1972 siedelte er nach West-Berlin über, distanzierte sich aber vom vorherrschenden Kunstbetrieb.

Die Ausstellung zeigt in Zusammenarbeit mit der Roger Loewig Gesellschaft Berlin aus der Privatsammlung des Malerfreundes Professor Gisbert Ter-Nedden eine kleine Werkschau aus dem reichen und vielfältigen Fundus. Die Schauspielerin und Tochter von Günter Grass, Helene Grass, wird anlässlich der Eröffnung ausgewählte Lyrik und Geschichten des Künstlers lesen. Die Pianistin Hiroko Matta-Klein setzt die musikalischen Akzente.

Der Eintritt kostet zehn Euro, Reservierungen unter Tel. 0228/35 21 91.

Rolf Schneider liest im Roger Loewig Haus

Er war „in beiden Deutschländern irgendwie zu Hause und in keinem wirklich.“ und ist es jetzt in einem. Er wohnt in der Nähe von Berlin. Geboren wurde er 1932 in Chemnitz. Seine Romane, Bühnenstücke und Sachbücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Rolf Schneider weiß um die Kostbarkeit der Sprache, seiner Verantwortung ihr gegenüber. Obgleich er im Geschriebenen ihre Bausteine oft vielfach ineinander setzt, bleibt sie leicht, flüssig und liest sich mühelos. Die wunderbare deutsche Sprache – es wird gewiß auch ein Genuss sein, sie vom Autoren selbst zu hören .
Am 16. Mai stellt Rolf Schneider seine Bücher im Roger Loewig Haus vor.

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