Roger Loewig – Das Frühwerk

Die Ausstellung „Roger Loewig – Das Frühwerk” eröffnet einen selten gezeigten Blick auf den Anfang einer künstlerischen Biografie, die später von Brüchen, Verboten und Verfolgung bestimmt sein sollte.

Loewig, 1930 in Schlesien geboren, war Autodidakt. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer für Geschichte, Deutsch und Russisch in Ost-Berlin begann er zu zeichnen, zu malen und zu schreiben. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren entstanden expressive Aquarelle und Gouachen von ungewöhnlicher Intensität, geprägt von kräftigen Tönen und abstrahierten Formen. Schon in diesen frühen Arbeiten treten Themen hervor, die sein gesamtes Werk durchziehen: Erinnerung, Schuld, Bedrohung, Unterdrückung und die Suche nach Freiheit.

1963 kam es zu dem Einschnitt, der alles veränderte: Eine Ausstellung in privatem Rahmen führte zu seiner Verhaftung. Loewig verbrachte ein Jahr in der DDR in Stasi-Untersuchunghaft als politischer Häftling in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Pankow. Diese Erfahrung bedeutete nicht nur einen Bruch in seiner Biografie, sondern auch in seinem Werk. Die farbige, expressive Sprache seiner frühen Gouachen wich einer strengeren, ernsteren Form. Von nun an dominierten Zeichnung und Druckgrafik, Farbe setzte er nur noch sehr behutsam ein.

Die Ausstellung im Roger Loewig Museum stellt diese frühen Werke in den Mittelpunkt. Sie macht erfahrbar, wie eng Loewigs Werk mit seiner Biografie verwoben ist – und wie stark politische Umstände künstlerische Entwicklung beeinflussen können. Dass sie am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, eröffnet wird, verweist auf die historische Dimension: Loewigs Kunst ist nicht nur Ausdruck einer individuellen Existenz, sondern zugleich ein eindringliches Zeugnis deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert.

Eröffnung und Einführung
durch die Kunsthistorikerin
Dr. Ulrike Goeschen:
Freitag, 3. Oktober 2025, 14 Uhr

Um Anmeldung wird gebeten unter:

veranstaltungen@roger-loewig-museum.de

Ausstellung:
3. Oktober bis 23. November 2025
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag 

von 11 bis 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung – 033841 42167

Roger Loewig Haus – Museum und Gedenkstätte
Flämingweg 6
14806 Bad Belzig

Abbildung: »Trap«, Videoinstallation, UHD, 30 Minuten, Stereo, Loop
Abbildung: »Trap«, Videoinstallation, UHD, 30 Minuten, Stereo, Loop

TRAP: Ausstellung von Wolfgang Oelze im Roger Loewig Museum

Eröffnung und Künstlergespräch:
Sonntag, 31. August 2025, 14 Uhr

Ausstellung:
31. August bis 28. September
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung – 033841 42167
Künstlerführung und Finissage:
Sonntag, 28. September, 15 Uhr

Das Roger Loewig Haus zeigt eine Einzelausstellung von Wolfgang Oelze (*1967).

Die Fotografien und Videos des Hamburger Künstlers entführen uns in mehrdeutige und rätselhafte Bildwelten. Wir sehen Landschaften und Höhlen, in denen sich eine verborgene Geschichte offenbart. Oelze entfaltet an dem geschichtsträchtigen Ausstellungsort ein faszinierendes Zusammenspiel von Spuren und Ahnungen. Im Erdgeschoss zeigt ein Video auf einer großen Wand eine traumhafte, kreisende Bewegung über ein Gelände mit Bäumen, Gruben und grellbunten, tellerartigen Objekten. Sie formen ein merkwürdiges Panorama, das vertraut scheint und dennoch von einer unheimlichen Macht beherrscht wird. Ein weiteres Video auf einem Bildschirm ergänzt temporär die Dauerausstellung von Roger Loewig. Eine sehr langsame Kamerafahrt steuert auf einer hypnotischen Reise aus einer Siedlung zu einem von Wald bedeckten Ruinendorf. Diese Kulisse wird durch großformatige Fotografien erweitert, die wie Szenenbilder aus geträumten Filmen wirken. Hier präsentiert Oelze eine Auswahl seiner Bilder von verwunschenen Krypten, Grotten und Höhlen. Jene unterirdischen Orte symbolisieren Zustände zwischen Ausweglosigkeit und Bedrängnis, aber auch Hoffnung.

Das Roger Loewig Haus in Bad Belzig widmet sich seit 2009 dem Werk des Künstlers und Dichters Roger Loewig (*1930). Seit der umfassenden Sanierung im Jahr 2022 präsentiert sich das Museum als erweiterter Ort für Ausstellungen, Lesungen und Reflexionen. Mit der Ausstellung »Trap« öffnet sich das Museum dem Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Dadurch entstehen neue Perspektiven auf Themen und Motive aus dem Werk Roger Loewigs und die zeitlose Aktualität seiner Anliegen wird unterstrichen.

Wolfgang Oelze studierte Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Franz Erhard Walther, Gerhard Rühm und Jochen Hiltmann. Er lebt und arbeitet als Künstler, Kurator und Autor in Hamburg. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen in Europa, Japan, China und den USA zu sehen und befinden sich u. a. in der der Sammlung Falckenberg und der Hamburger Kunsthalle. Oelze wurde mit Arbeitsstipendien der Freien und Hansestadt Hamburg sowie der Stiftung Kunstfonds ausgezeichnet. 2019 kuratierte er die Ausstellung Fuzzy Dark Spot. Videokunst aus Hamburg in der Sammlung Falckenberg, Deichtorhallen Hamburg.

Die Ausstellung wird kuratiert von Andreas Münz.